Zu Gast im Reich der Mufflons – Bergwanderung zum Gipfel des Capu Borba auf Korsika

Zu Gast im Reich der Mufflons – Bergwanderung zum Gipfel des Capu Borba auf Korsika

Als wir in unserem Rother Wanderführer die Beschreibung „Ausflug in das Reich der Mufflons“ lasen, war uns schnell klar, dass wir diese Bergwanderung zum Capu Borba unbedingt unternehmen. Das Manicatal in dem wir uns aktuell befinden erstreckt sich weit entlang der Monte Cinto Kette und bietet einige Spektakuläre Aussichten. Das ganze Gebiet gehört zum „Parc Naturell Regional de la Corse“. Dieser Nationalpark erschließt mittlerweile gut ein Drittel Korsikas. Dabei umfasst er nicht nur das Gebiet rund um das Monte Cinto Massiv, sondern zieht sich quer über die Insel.

Inhaltsverzeichnis

Die Parkverwaltung ist bestrebt die ursprüngliche Schönheit der Insel zu erhalten und so gibt es außerhalb des Nationalparks weitere Schutzzonen und klein Reservate die es zu beachten gilt. Wir beginnen unsere Tour unweit des Campingplatzes Monte Cinto im Ascotal. Dieser war wie zu erwarten natürlich im August geschlossen. Weshalb wir etwas abgelegen unseren Stellplatz für die Nacht suchten. Fast im gesamten Nationalpark ist das Campen untersagt. Achtet bei Eurem Besuch auf die entsprechenden Hinweisschilder. Gerade in der Hauptsaison wird sehr oft kontrolliert und es erwartet dich eine empfindliche Geldbuße bei Nichtbeachtung.

Die Tour zum Capo Borba

An diesem Morgen kommt die Sonne nur langsam hervor. Die Gipfelspitzen sind in den Wolken nur schemenhaft zu erkennen. In der Nacht gab es einen leichten Regenfall, der Nebel hängt noch immer tief im Tal und nur sehr langsam klart der Himmel über uns auf. Hier und da sehen wir einen Momentlang die Sonne bis sie von einem weiteren Wolkenfeld verdeckt wird. Ganz in der Nähe von uns hören wir das Rauschen von einem Gebirgsfluss. Der Boden ist feucht und es liegt der typische Kiefernwaldduft in der kühlen Luft. Das Tal sticht vor allem durch seine Wildnis und weitestgehend unberührte Natur hervor. Wir stehen abseits der einzigen Straße die hinauf auf den Berg führt. Diese führt durch ein tiefes eingeschnittenes Tal bis zum Refuge Asco-Stagnu. Kurz vor dem Zeltplatz befindet sich eine kleine Brücke mit einem zerstörten Schild daneben.

Links davon steht ein kleines unscheinbares Steinmännchen und markiert den Beginn der mehrstündigen Bergwanderung. Anfangs folgen wir einem wirklich schmalen und steinigen Wald Pfad. Wenig später passieren wie eine Stelle die im Wanderführer als erschwerend beschrieben wird. Dieses können wir nur bestätigen. Er führt uns durch ein Dickicht von jungen Bäumen und verhindert durch schlechte Wegmarkierungen ein gutes Vorankommen. Selbst wir verlaufen uns und suchen danach den richtigen Weg. Der weitere Weg hat eher etwas von einem Ausgetrockneten Bach. Das Laufen auf den steinigen Untergrund ist Kräfte-und Zeitraubend. Auch wenn wir im allgemeinen solche Wege lieben, so ist es hier wirklich sehr schwer sich zu Motivieren und weiter zu gehen, da es wie schon eingangs Erwähnt an Wegweisern mangelt. Später hat diese Eskapade zum Glück ein Ende.

Nachdem wir ein weiteres Flussbett überquert haben kommen wir auf einen breiteren Forstweg. Zu unserer Überraschung kommt uns das Wasser vom Berg in einem kleinen Rinnsal entgegen. Wir denken auf dem einen Bild ist das ganz gut zu erkennen. Wie stellen hier das erste Mal fest, dass es sich um keine Bergwanderung handelt die bei Starkregen oder Schneeschmelze begangen werden sollte. Es sei den man möchte mit Gummistiefeln Wandern. Nachdem wir die erste mühevolle Etappe hinter uns gebracht haben stellen wir fest, dass der Himmel mehr und mehr aufklart. Die Sonne taucht das Tal hinter uns in ein warmes Licht und auch uns wird wärmer. Wir folgen dem breiten wenig benutzten Forstweg bis wir schließlich an ein altes verlassenes Dorf kommen.

Das Verlassene Dorf

Die meisten Steinhütten sind bereits eingestürzt und der Boden wurde scheinbar von Wildscheinen auf der Suche nach Nahrung zerwühlt. Direkt hinter dem Steindorf queren wir einen Fluss auf dem Weg zum Capo Borba. Dieser führt gerade nicht so viel Wasser, weshalb wir problemlos an das andere Ufer wechseln können. Der Fluss scheint jedoch nicht immer so flach und ruhig hier entlang zu fließen. Das zumindest verraten uns die vielen dicken Baumstämme die scheinbar von weiter oben mitgerissen wurden und nun zwischen mächtigen Felsen festhängen. Der weitere Wanderweg geleitet uns über einige Steinkaskaden weiter Bergauf. Aufgrund der Regenschauer in der Nacht sind einige stellen arg rutschig und so dauert es etwas länger bis wir diese Schlüsselstellen hinter uns lassen. Nur langsam nähern wir uns der Baumgrenze auf etwa 1500 Metern. Noch eine Zeitlang werden wir uns im Schutz der alten Kiefern bewegen.

Noch ist der Himmel relativ klar doch in der Ferne sehen wir bereits die ersten grauen Wolken. Typisches Bergwetter eben. Gerade noch Sonnenschein und wenige Minuten später ist alles vergessen und es schüttet aus Kübeln. Aktuell bleiben wir davon noch verschont. Ärgern uns dafür abermals über die schlechten Wegmarkierungen die ein zügiges vorankommen erschweren. Entfernt sehen wir die Schneebedeckten Berggipfel des Monte Cinto Massivs und auch unser heutiges Ziel der Capu Borba auf 1800 Metern ist bereits zu erkennen. Ein kleiner Gebirgsbach fließt parallel zum Wanderweg in Richtung Tal. An einigen Absätzen überwindet er diese als kleiner Wasserfall. Viele kleine Gumpen und Nischen entlang des Flussverlaufs laden aufgrund des türkisblauen Wassers zum Baden und Verweilen ein. Leider ist es aktuell zu kalt für ein ungestörtes Badeabenteuer in den Bergen. Nachdem wir diese wunderschöne Schlüsselstelle passiert haben erreichen wir auch schon die Baumgrenze.

Nunmehr eröffnet sich ein prachtvollen Ausblick auf das Tal unter uns. Natur von seiner schönsten Seite. Schroffe Felswände und schneebedeckte Gipfel auf der einen Seite und auf der anderen ein herbstlich eingefärbtes Tal in seiner ganzen Farbenpracht. Leider erleben wir am heutigen Tag nur selten einen perfekten blauen Himmel dazu. Nun geht’s an die erste wirkliche Kraxelei bei dieser Tour. Fast senkrecht geht es an einem Stück Fels hinauf. Beim Aufstieg bemerken wir eine alte verwitterte rot-weisse Markierung. In einer weiteren anstrengenden Passage halten wir kurz inne da wir am Berg ein Tier bemerken. Es scheint als hätten wir Glück. Oben auf dem Plateau scheint sich ein Mufflon aufzuhalten. Kurz werden nochmal die Pobacken zusammengekniffen und nach gut 25 Minuten sind auch wir dort angekommen.

Das Plateau

Wir befinden uns auf 1881 Metern inmitten der Berge. In der Ferne sehen wir tatsächlich ein Mufflon. Einen kurzen Moment lässt es sich beobachten und fotografieren bevor es hinter den Felsen seinen Weg fortsetzt. Wir geben zu, seid unseren Tierbegegnungen in Schweden achten wir viel mehr auf wilde Tiere und Vögel um uns herum als zuvor. Wir beschließen auf der Ebene rast zu machen. Rasch finden wir einen geeigneten Windgeschützen Platz direkt an einem großen schräg stehenden Felsblock. Nachdem wir hier oben gut eine Stunde pausieren, fällt uns der sich rasch zuziehenden Himmel auf. Spürbar wird es kühler und die Bergspitzen verschwinden mehr und mehr im dichten Nebel.

Von diesem Wetterumschwung überrascht beschließen wir flott aufzubrechen. Das vor uns liegende Geröllfeld könnte sonst zu einer heiklen Angelegenheit werden. Staub, Erde und Wasser ergeben bekanntlich einen wunderbaren Schmierfilm. Dieser Zustand gepaart mit schlechter Sicht führt häufig zu unschönen Bodenkontakt. Wir haben das Terrain kaum hinter uns gelassen da beginnt es tatsächlich zu regnen. Nicht sehr stark aber stetig.

Ein feiner Regen durchnässt dich immer noch bis auf die Knochen, aber niemand nimmt ihn ernst.

Korsisches Sprichwort

Wir beschließen nicht zu stoppen und bewegen uns flink zurück zur Baumgrenze um wenigstens etwas Schutz zu erfahren und nicht gänzlich zu durchnässen. Die steinigen stellen vom Hinweg und auch die Kraxelei sind jetzt natürlich deutlich rutschiger. Achtsam werden die markanten Stellen begangen und so nähern wir uns langsam aber sicher dem besseren Weg unterhalb der Bäume. Ein letztes Mal stoppen wir an einem kleinen Wasserfall um schnell ein paar Fotos zu machen. Die Stelle ist einfach viel zu schön als das man sie Ignorieren sollte. Gut eine halbe Stunde später sind wir dem Regen davon gelaufen und erreichen das verlassene Dorf ein zweites Mal an diesem Tag.

Beim Aufstieg waren wir deutlich langsamer unterwegs. So viel steht fest. Diesmal schauen wir uns unseren zukünftigen Altersruhesitz etwas genauer an und beschließen hier eine Kaffeepause einzulegen. Zack Kocher wieder raus. Wasser erhitzen und Dank Brew Bag gibt es binnen weniger Minuten eine heiße Wohlschmeckende Tasse Kaffee. Tatsächlich ein Luxus den wir uns gerne auf Touren gönnen. Das Brew Bag ist im Übrigen wiederverwendbar. Das finden wir persönlich ziemlich Gut da es unnötigen Müll reduziert. Die letzte Etappe führt wieder über den Forstweg und durch das anfangs erwähnte Fichtendickicht zurück zum Startpunkt der Tour.

Fazit

Die über 6 Stunden lange Tour zum Capo Borba ist wirklich sehr abwechslungsreich. Erfordert jedoch einer guten Kondition und Erfahrung im Gelände. Anspruchsvolles Terrain und einige markante Schlüsselstellen warten darauf erlebt zu werden. Für erfahrene und konditionell geübte Wanderer stellt das jedoch kein Problem dar. Für Neulinge ohne Gelände Erfahrung ist diese Bergwanderung zum Capo Borba unserer Meinung nach nicht geeignet. Oft muss man sich die Wege im Gelände mühsam suchen. Naturfreunde kommen bei dieser Wanderung aufgrund der abwechslungsreichen Umgebung sicher voll auf Ihre Kosten. Wem die 1800 Meter am Capu Borba noch nicht reichen kann die Tour bis zum Gipfel des Monte Cinto`s erweitern.

Wichtig

Es gibt keine Möglichkeit der Einkehr oder Schutzhütte auf der Tour.
Mobilfunknetz nur sehr selten verfügbar ( Die Tour daher am besten bei der Familie hinterlegen )
Unbedingt die Wetterhinweise beachten!
Wanderschuhe mit gutem Profil verstehen sich sicherlich von selbst.

Touristen Information Korsika – Homepage

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