Im Winter zu Wandern hat seine ganz eigenen Reize. Wanderung zum Gernkogel Gifelkreuz auf über 2000 Metern Höhe
Österreich

Winterwanderung zum Gernkogel 2276 Metern – Wenn die Vernunft siegt.

Hätte mir an diesem Morgen jemand gesagt, dass ich die Wanderung zum Gernkogel Gipfel auf 1860 Metern Höhe abbrechen würde, so hätte ich das sicherlich belächelt und gesagt „Niemals“. Der Tag begann so viel versprechend. Der morgendliche Nebel um den Gipfel lichtete sich schon früh und die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die Wolken. Nach einem kräftigenden Frühstück im Kreis der Familie und einem Gespräch über die bevorstehende Tour, checke ich ein letztes Mal meine Ausrüstung und den Proviant für den Tag. Es folgt ein letzter Temperatur und Wettercheck.

Noch einmal erläutern Petra und Ich die Route. Die Absprache wohin Ich gehe und wie oft Ich mich melden werde dient letztlich meiner eigenen Sicherheit. Auch eine Rückkehrzeit wird ausgemacht. Bei winterlichen Bedingungen und Fremden Terrain ist solch eine Absprache unabdingbar. Als ich aus der Unterkunft unterhalb des Berges trete, liegt die Landschaft schneebedeckt vor mir. Ein Bild wie im Reisekatalog bietet sich mir. Die frische Luft am Morgen zu Atmen ist phantastisch und füllt sich toll an. Der Blick zum Berg steigert die Vorfreude und deshalb geht es auch direkt los.

Die Wanderung

Meine Tour zum Gernkogel Gipfel beginnt an der Unterkunft in Wald im Pinzgau, diese liegt wirklich unmittelbar am Fuß des Berges. Zuallererst geht es auf der asphaltierten Straße über einige Serpentinen bergauf. Vorbei an verschneiten Almen und wunderschönen Bauernhöfen führt mich die Straße den Berg hinauf bis ich schließlich zu einem kleinen geschotterten Parkplatz am Rand eines Waldes komme. Hier beginnt der eigentliche Wanderweg zum Gernkogel Gipfel. Dankbar dass ich endlich die lästige Lauferei auf der Straße hinter mir lassen kann folge ich dem Rot-Weiß-rotem Wegweiser in Richtung Wald. Zunehmend wird der Weg anspruchsvoller. Hier im Wald sind die Wegweiser jedoch noch recht gut zu erkennen und der Schnee nicht ganz so tief. So das ich verhältnismäßig gut voran komme. Nach einer Weile werden die Bäume weniger und der Schnee tiefer.

Ich komme an eine erste Hütte und verweile hier um etwas zu trinken und die Aussicht zu genießen. Außerdem ist es Zeit mich bei Petra zu melden. Von meinem Standpunkt aus habe ich schon jetzt einen umwerfenden Blick ins Schneebedeckte Tal und den gegenüberliegenden Bergen.
Nachdem ich mich bei meiner Frau gemeldet habe geht es zügig weiter, da es noch eine Menge Höhenmeter zu bewältigen gibt. Von nun an wird es jedoch auch schwerer auf der richtigen Route zu bleiben.
Viele der Markierungen sind vom Schnee verdeckt und so komme ich immer langsamer voran. Zumal der Schnee jetzt so hoch steht das ich zeitweise bis zu den Knien einsacke.

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Zwei Dinge die ich jetzt arg bereue: erstens auf Schneeschuhe verzichtet zu haben und zweitens die Wanderstöcke nicht dabei zu haben. Jetzt muss ich da aber irgendwie durch. Also Augen auf und den Blick aufs Ziel gerichtet. Es wartet das Gernkogel Gipfelkreuz auf 2276 Metern auf mich.
Eine Zeitlang mühe ich mich durch den Schnee bleibe aber auch stehen um die Aussicht und die Ruhe zu genießen. Natürlich trifft man auf solch einer Winterwanderung niemanden. Im Sommer sieht das auf diesem Weg bestimmt ganz anders aus. Da er mit seinem Panorama wirklich wunderschön ist und die Almen zur Rast einladen. Ich hingegen muss ja unbedingt im Winter hier hoch….

Als ich nach einer ganzen weile zur nächsten Hütte komme staune ich nicht schlecht. Im Quellwasser vor der Scheune liegen Getränke und darüber hängt die Kasse des Vertrauens. Ich liebe solch Überraschungen und beschließe kurzerhand mir ein Bier für den Gipfel mitzunehmen.
Da es schon wieder längere Zeit her ist bekommt Petra eine Info wo ich zurzeit stecke, nebst Standort SMS. Gleichzeitig beschließe ich genau hier eine längere Rast zu halten. Ich kann es nicht oft genug sagen aber das Essen und Trinken auf solchen Wandertouren ist wirklich sehr wichtig.

Denn wenn die Kräfte schwinden ist es meist schon zu spät und der Körper ist nicht mehr in der Lage ausreichen Leistung bereit zu stellen. Das kann unter schlechten Bedingungen Lebensgefährlich werden und sollte niemals unterschätzt werden. Nach gut 40 Minuten Pause geht es weiter. Ich befinde mich nun auf gut 1400 Metern. Die Sicht ist Atemberaubend schön und der Schnee wird immer tiefer. Ich richte mich nunmehr nach meinem Navi um mich nicht zu Verlaufen. Jedoch passiert mir genau das, als ich mich durch den Tiefschnee kämpfe. Eine kurze Unachtsamkeit beschert mir einen Umweg von gut 2 Kilometern. Anstatt am Zaun direkt nach oben zu gehen bin ich daran vorbei und stehe nun an einem Hang.

Langsam und ruhig gehe ich nun also zurück bis ich den richtigen Weg wieder gefunden habe. Nach einer Weile sehe ich wieder eine Wegmarkierung. Es geht abermals in Serpentinen den Berg hinauf. Immer an einer Art Weidezaun entlang. Dabei stecke ich mehrfach bis zur Hüfte im Schnee und Merke wie langsam meine Kräfte schwinden.
Meter für Meter geht es hinauf. Es wird immer mehr zu einem Kampf mit mir selbst. Auf der einen Seite der unabdingbare Wunsch das Gipfelkreuz zu erreichen und auf der anderen Seite die Vernunft die Sagt „Es geht hier nicht weiter“ ein letztes Mal möchte ich es Versuchen und taste mich stück für stück durch den Tiefschnee. Ich schaue ins Tal und hinauf zum Kreuz.

Da steht es nun quasi zum Greifen nah und doch so fern. Wieder geht es ein wenig weiter. Tiefer und tiefer sinke ich ein. Hier Oben sieht man nur noch eine Fläche Schnee. Ich habe keine Möglichkeit zu sehen ob da ein Spalt oder Loch vor mir liegt oder ein anderes Hindernis. Die Gefahr wird an diesem Punkt zu groß und so siegt sie nun „Die Vernunft“. Auf 1860 Metern Höhe ist an diesem Tag kurz vor dem Gipfel Schluss und ich gestehe mir ein das der Berg gewonnen hat.

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Die Schneefälle der letzten Tage auf den Oberen Höhenmetern waren dann doch mehr als gedacht. Ich melde mich erneut bei meinem Schatz und Teile Ihr mit das ich mich auf den Rückweg mache. Auf der gleichen Route die Ich zuvor den Berg herauf gestiegen bin geht es jetzt deutlich schneller zurück. Jedoch nicht ohne weitere Aufnahmen dieser wundervollen Wintermärchens zu machen. Die Landschaft und das Panorama rund um den Gernkogel haben es mir an diesem Tag wirklich angetan. Es ist ein so tolles Gebiet zum wandern und erholen. Am Schluss mache ich jedoch noch einen kleinen Umweg um mir eine andere Wanderung ganz in der Nähe anzuschauen. Dabei geht es durch einen Wald über Holzstege. Am späten Nachmittag erreiche ich unsere Unterkunft und Petra ist sichtlich erleichtert dass ich in einem Stück zurück bin.

Fazit

Eine Wanderung im Winter und dazu im Schnee bedeutet Achtsamkeit und Vernunft walten zu lassen. Es bedeutet auch seine Grenzen zu kennen und nicht übermütig zu sein. Die Vorbereitung ist wichtig und sollte nicht unterschätzt werden. Die Nummer der Bergwacht gehört ins Handy genauso wie eine Taschenlampe um sich gegebenenfalls in der Dämmerung Bemerkbar zu machen. Eine Klare Kommunikation mit dem Partner, Freunde oder einer anderen Person ist unabdingbar. Hört auf Euer Bauchgefühl. Es ist keine Schande solch eine Wanderung abzubrechen sondern zeigt eher Größe und Erfahrenheit. Im Zweifel die Tour lieber auf einen anderen Zeitpunkt verschieben.

Wenn ihr mich fragt, ob ich traurig bin nicht am Gipfelkreuz gewesen zu sein so beantworte ich diese Frage mit einem klarem JA. Hätte ich weiter gehen können? Nein – oder Vielleicht doch? Aber wer hätte diesen Artikel geschrieben, wenn mir etwas zugestoßen wäre? Ist es so wichtig da oben anzukommen um jeden Preis? Nichts ist mir wichtiger als meine Familie und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, egal wie groß das Erlebnis auch sein mag!

Berichte doch hier von deiner ersten abbgebrochenen Wandertour! Wir würden gerne lesen, wie es dazu gekommen ist!

Wir sehen uns Outdoor
Marco,Petra und die kleene Jo

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